Der Monat, in dem alles zusammenfällt
Hitzewellen kommen dann, wenn das Haus am dünnsten besetzt ist: Urlaubszeit, Aushilfen, die die Bewohnerinnen nicht kennen, der Hausarzt in der Sommerpause, die Angehörigen verreist. Genau dann bräuchte eine achtundachtzigjährige Frau, die ein Entwässerungsmittel nimmt und kein Durstgefühl mehr hat, dreimal am Tag jemanden, der nach ihr sieht.
Dieser Beitrag soll Ihnen keine Angst machen. Er soll Ihnen sechs Fragen geben, die Sie jetzt stellen — denn wenn die Warnung da ist, ist es zum Organisieren zu spät.
Der Punkt, der Deutschland von den Nachbarn unterscheidet
Seien wir hier ehrlich, denn es ist die wichtigste Information des ganzen Textes: Es gibt keine bundesweite gesetzliche Pflicht, die jedem Pflegeheim einen Hitzeschutzplan vorschreibt. In Frankreich ist seit 2003 ein Krisenplan mit gekühltem Raum für jede Einrichtung verbindlich. In Deutschland gibt es seit einigen Jahren politischen Druck, Musterpläne und Empfehlungen — die Umsetzung liegt bei Ländern, Kommunen und am Ende beim einzelnen Träger.
Das heißt für Sie: Sie dürfen nicht davon ausgehen, dass ein Plan existiert. Sie müssen fragen. Und die Frage lautet nicht "haben Sie einen Hitzeschutzplan" — darauf sagt jedes Haus ja. Sie lautet: Gibt es ihn schriftlich, ab welcher Warnstufe greift er, was ändert sich konkret gegenüber einem normalen Tag, und wer löst ihn aus, wenn die Pflegedienstleitung im Urlaub ist?
Die Hitzewarnung, die es für Pflegeeinrichtungen gibt
Der Deutsche Wetterdienst gibt Hitzewarnungen kleinräumig, auf Ebene der Landkreise heraus, gestuft nach starker und extremer Wärmebelastung. Diese Warnungen sind öffentlich, und Sie können die für den Landkreis abrufen, in dem das Heim liegt — nicht den, in dem Sie wohnen.
Weniger bekannt ist: Der DWD betreibt einen Hitzewarn-Newsletter, der sich ausdrücklich an Pflegeeinrichtungen richtet. Ein Haus kann ihn kostenlos abonnieren und wird dann automatisch informiert, statt zufällig aus dem Radio davon zu erfahren. Die Frage "sind Sie beim Hitzewarnsystem des DWD angemeldet?" ist deshalb eine der aufschlussreichsten, die Sie stellen können: Sie kostet das Haus nichts, und wer sie mit Nein beantwortet, hat sich mit dem Thema nicht befasst.
Klimatisierung: fragen Sie zimmerweise
Die baulichen Anforderungen an Pflegeheime regeln die Länder, und eine Klimatisierung aller Bewohnerzimmer schreibt praktisch keines vor. Viele Häuser haben gekühlte Gemeinschaftsbereiche und ungekühlte Zimmer, oder eine Anlage, die im Erdgeschoss trägt und im dritten Stock nicht.
Die Frage lautet daher nicht, ob es eine Klimaanlage gibt, sondern: Ist das Zimmer meiner Mutter gekühlt, und welche Temperatur wird gehalten? Und wenn nicht: In welchen Raum werden die Bewohnerinnen in den Mittagsstunden gebracht, wie viele haben dort Platz, und wie viele Stunden am Tag ist sie tatsächlich dort? Ein kühler Aufenthaltsraum für zwanzig Personen in einem Haus mit achtzig Bewohnern ist keine Antwort, sondern ein Rotationsproblem, das jemand schriftlich gelöst haben muss.
Die Medikamente, die niemand überprüft
Der am meisten übersehene und am leichtesten zu behebende Punkt. Mehrere in Pflegeheimen sehr häufige Wirkstoffgruppen erhöhen das Risiko bei Hitze: Diuretika, die die Austrocknung verstärken; Neuroleptika und weitere Psychopharmaka, die die Temperaturregulation stören; Anticholinergika, die das Schwitzen vermindern; und manche Blutdrucksenker, die zusammen mit der hitzebedingten Gefäßweitstellung den Blutdruck abstürzen lassen — mit Stürzen als Folge.
Das heißt nicht, dass sie abgesetzt gehören. Eigenmächtiges Absetzen ist gefährlich und keine Entscheidung der Familie. Es heißt, dass der Hausarzt die Medikation überprüfen soll, wenn eine Hitzewarnung vorliegt — Dosis und Einnahmezeitpunkt. Fragen Sie ausdrücklich: Wurde ihre Medikation wegen der Hitze überprüft, und von wem? In den meisten Fällen lautet die ehrliche Antwort nein, und die Frage allein genügt, damit es geschieht.
Was sich an einem Hitzetag ändern muss
- Überwachte Flüssigkeitszufuhr mit Trinkprotokoll — nicht eine Karaffe auf dem Nachttisch einer Frau, die sie nicht heben kann, sondern dokumentiert, was tatsächlich getrunken wurde. Bei Schluckstörungen angedickte Getränke in ausreichender Menge.
- Häufigere Temperaturkontrolle bei Risikobewohnern, nicht nur auf Zuruf.
- Gewicht kontrolliert — ein rascher Verlust an wenigen Sommertagen ist Austrocknung, bis das Gegenteil bewiesen ist.
- Aktivitäten verlegt statt gestrichen; Bewegungslosigkeit hat ihren eigenen Preis.
- Kleidung und Bettwäsche angepasst — es kommt vor, dass die Steppdecke liegen bleibt, weil sie die im Schrank ist.
- Niedrigere Schwelle für den Arztruf, mit schriftlichen Kriterien: neue Verwirrtheit, ungewöhnliche Schläfrigkeit, wenig Urin, trockene Haut.
Nebenbei: Die Flüssigkeitsversorgung ist auch ein Thema der Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes, und die pflegefachlichen Expertenstandards zur Ernährung geben vor, wie sie zu erfassen ist. Ein Haus, das kein Trinkprotokoll führt, hat nicht nur ein Hitzeproblem.
Hitzschlag sieht nicht aus wie "ihr ist warm"
Bei alten Menschen zeigt er sich als plötzliche Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Schwäche, teils heiße trockene Haut ohne Schwitzen. Wenn Ihre Mutter so wirkt, ist sie nicht "etwas matt wegen der Wärme": Das ist ein Notfall, und dann wird die 112 gerufen.
Sechs Fragen für den August
- Gibt es einen schriftlichen Hitzeschutzplan, ab welcher Warnstufe greift er, und wer löst ihn im Urlaub aus?
- Sind Sie beim Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes für Pflegeeinrichtungen angemeldet?
- Ist ihr Zimmer gekühlt? Wenn nicht: wohin, wie lange, wie viele Plätze?
- Führen Sie ein Trinkprotokoll, und wer wertet es aus?
- Wurde ihre Medikation wegen der Hitze überprüft, und von wem?
- Wie ist die tatsächliche Besetzung im August im Vergleich zum März?
Wenn nichts passiert
Schriftlich an die Heimleitung, eine Frage, ein Datum. Bleibt es dabei, ist die Heimaufsicht Ihres Landkreises oder Ihrer Stadt zuständig, die auch bauliche und organisatorische Mängel prüfen kann, und die Pflegekasse, die den Medizinischen Dienst beauftragt. Der Heimbeirat ist der richtige Ort für eine Frage, die im Hochsommer nie nur Ihre ist.
Womit Sie anfangen
Ist Ihre Mutter schon im Heim, schicken Sie diese sechs Fragen heute schriftlich, nicht Ende August. Eine schriftliche Anfrage im Juli bekommt Antworten; dieselbe Anfrage nach einem Vorfall bekommt Rechtfertigungen.
Suchen Sie noch, haben Sie gerade einen seltenen Vorteil: Sie besichtigen in dem Monat, in dem die Grenzen eines Gebäudes sichtbar sind. Gehen Sie um drei Uhr nachmittags in den Aufenthaltsraum und sehen Sie selbst.
Wenn Sie das nicht allein führen möchten, übernehmen wir es. Für €79 nehmen wir die Situation Ihrer Mutter auf, suchen in Ihrer Region die Häuser, die auf diese Fragen tatsächlich antworten, und melden Ihnen zurück, was gesagt wurde — mit Namen und Daten. Hier beginnen
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung im Einzelfall. Kein Medikament darf ohne den behandelnden Arzt abgesetzt oder verändert werden. Bauliche Anforderungen und Hitzeschutzvorgaben sind Ländersache und ändern sich: Prüfen Sie mit dem Haus und der zuständigen Heimaufsicht. Curalune vergibt keine Heimplätze und garantiert keine Verfügbarkeit.