„Die beiden vertragen sich nicht"
Ihre Mutter erzählt, die Frau von gegenüber schreie sie an. Oder die Zimmernachbarin durchsucht nachts ihre Schubladen. Oder da ist ein blauer Fleck am Arm, und irgendwann fällt der Satz, es habe „einen Vorfall" mit einer anderen Bewohnerin gegeben.
Man wird Ihnen sagen, beide seien verwirrt, niemand habe etwas gewollt, und so sei das eben, wenn Menschen zusammenleben. Das mag stimmen. Es ist nicht der Punkt.
Was das Heim schuldet — und warum die Diagnose des anderen nichts ändert
Aus dem Heimvertrag folgt eine Schutzpflicht: Die Einrichtung schuldet Ihrer Mutter nicht nur Pflege und Verpflegung, sondern auch Sicherheit vor Übergriffen — und diese Pflicht besteht gegenüber ihr. Ob die andere Person eine Demenz hat, erklärt deren Verhalten. Es entlässt das Haus nicht aus seiner Pflicht.
Dazu kommt eine Meldelinie, die kaum eine Familie kennt: Nach dem Heimrecht der Länder müssen Einrichtungen besondere Vorkommnisse der Heimaufsicht melden. Ein Bewohner, der von einem anderen verletzt wird, fällt in diesen Bereich.
Formulieren Sie es schriftlich so: „Ich melde einen Übergriff auf meine Mutter durch eine andere Bewohnerin. Bitte bestätigen Sie mir, dass der Vorfall dokumentiert wurde, ob er der Heimaufsicht gemeldet worden ist, und welche Schutzmaßnahmen ab wann gelten."
Die Fragen, schriftlich
- „Wurde der Vorfall in der Pflegedokumentation und in einem Ereignisbericht erfasst — mit welchem Datum?"
- „Welche Schutzmaßnahmen gelten sofort?" Getrennte Sitzordnung beim Essen, Aufsicht in einer bestimmten Zeitspanne, Zimmerwechsel, häufigere Kontrollgänge — etwas Konkretes, nicht „wir achten darauf".
- „Gibt es für die andere Bewohnerin ein Konzept zum Umgang mit dem Verhalten?" Auf ihre Gesundheitsdaten haben Sie keinen Anspruch, darauf, dass ein Plan existiert, schon.
- „Was hat es ausgelöst?" Solche Vorfälle häufen sich an vorhersehbaren Stellen: beim Essen, in Türen, am späten Nachmittag, um einen Sessel oder den Fernseher, und nachts im Doppelzimmer. Alles davon ist veränderbar.
- „Wurde meine Mutter seither untersucht — auf Verletzungen, auf Schmerzen und auf Angst?" Wer Angst vor einer Mitbewohnerin hat, verlässt das Zimmer nicht mehr, und dieser Rückzug wird als „Rückzug" dokumentiert statt als Folge.
Gibt es Verletzungen, lassen Sie sie von einer Ärztin außerhalb des Hauses beurteilen und sich ein datiertes ärztliches Attest mit genauer Beschreibung geben. Das ist das belastbarste Dokument, das Sie bekommen können, und Sie erstellen es nicht selbst.
Verlangen Sie ein Gespräch — und Konkretes
Lassen Sie in die Pflegeplanung aufnehmen:
- die Sitzordnung beim Essen, mit Namen;
- wer in der betreffenden Zeitspanne Aufsicht führt;
- ob ein Zimmer- oder Bereichswechsel angezeigt ist — und wenn das Haus vorschlägt, Ihre Mutter zu verlegen, fragen Sie, warum nicht die Person verlegt wird, von der die Gefahr ausgeht. Die Betroffene zu verlegen ist die bequeme Antwort und gehört hinterfragt;
- was bei einer Wiederholung geschieht und wer Sie anruft.
Was Sie nicht akzeptieren
Sedierung als Lösung, bei der einen wie bei der anderen. Ein Medikament, das ein Verhalten unterdrücken soll, ist eine freiheitsentziehende Maßnahme im medikamentösen Gewand: ärztliche Begründung im Einzelfall, und bei bestehender Betreuung die Genehmigung des Betreuungsgerichts. Taucht nach dem Vorfall ein Neuroleptikum auf, fragen Sie nach Diagnose und Auslassversuch.
„Das ist die Demenz." Wiederholte, vorhersehbare Vorfälle ohne Plan sind keine Zwangsläufigkeit, sondern ein Personal- und Planungsproblem.
Schweigen. Ein Ereignis, das die Unversehrtheit Ihrer Mutter betrifft, gehört Ihnen mitgeteilt.
Wenn es nicht aufhört
- Alles schriftlich, mit Daten, an die Einrichtungsleitung, mit Fristsetzung.
- Der Heimbeirat — das ist selten das Problem einer einzigen Familie.
- Die Heimaufsicht des Landes, die Beschwerden auch anonym entgegennimmt und für besondere Vorkommnisse zuständig ist.
- Pflegekasse und Medizinischer Dienst für die Pflegequalität, und die Polizei, wenn es eine Körperverletzung gab und Sie den Eindruck haben, dass sie nicht ernst genommen wird.
Führen Sie ein eigenes Protokoll: Daten, was Ihre Mutter gesagt hat, was Sie gesehen haben, wem Sie es gesagt haben und was geantwortet wurde. In zwei Wochen erinnert sich niemand mehr; Ihre Aufzeichnung schon.
Wann es Zeit ist zu wechseln
Ein Vorfall zwischen zwei verwirrten Menschen, gefolgt von einem echten Plan, ist ein Haus, das seine Arbeit macht. Ein zweiter Vorfall mit derselben Person, kein Plan, und der Vorschlag, dass Ihre Mutter umziehen möge, ist ein anderes Signal — und es geht fast immer um Personalstärke, nicht um diese beiden Menschen.
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Dieser Artikel ist eine allgemeine Information für Angehörige und ersetzt keine Rechts- oder medizinische Beratung. Meldepflichten gegenüber der Heimaufsicht sind landesrechtlich geregelt. Wenn Sie eine unmittelbare Gefahr sehen, informieren Sie sofort die Einrichtungsleitung und im Ernstfall die Polizei. Curalune vergibt keine Heimplätze und garantiert keine Verfügbarkeit.