Die Frage, die bei der Besichtigung fehlt
Familien fragen bei der Heimbesichtigung nach dem Essen, nach dem Zimmer, nach den Kosten. Fast niemand fragt das, worauf es am Ende ankommt: Bleibt mein Vater hier, wenn es zu Ende geht — oder wird er in der letzten Woche noch mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht?
Der Unterschied zwischen diesen beiden Häusern ist enorm, und man sieht ihn dem Foyer nicht an. Es gibt Heime, in denen ein Sterbender in seinem Zimmer bleibt, mit vertrauten Pflegepersonen, mit Schmerztherapie vor Ort und einem mobilen Palliativteam. Und es gibt Heime, in denen bei jeder Verschlechterung die Rettung gerufen wird — weil nachts keine ärztliche Verordnung greifbar ist, weil niemand die Verantwortung tragen will, weil es nie anders besprochen wurde. Für einen sterbenden Menschen mit Demenz ist eine nächtliche Krankenhauseinweisung fast immer das Schlechteste, was passieren kann.
Wer entscheidet, wenn Ihr Vater es nicht mehr kann
Diese Frage hat in Österreich eine geordnete Antwort, und die Reihenfolge sollten Sie kennen, bevor Sie sie brauchen.
- Die Patientenverfügung. Hier liegt die österreichische Besonderheit, die viele Familien überrascht: Es gibt zwei Formen. Die verbindliche Patientenverfügung erfordert eine ärztliche Aufklärung und eine rechtliche Belehrung, muss die abgelehnten Behandlungen konkret bezeichnen und ist regelmäßig zu erneuern — sie bindet die Behandelnden unmittelbar. Die beachtliche Patientenverfügung erfüllt diese Formerfordernisse nicht vollständig; sie ist deshalb nicht wertlos, sondern muss bei der Ermittlung des Patientenwillens berücksichtigt werden, je nachdem, wie gut sie die Kriterien erfüllt. Ein Zettel in der Schublade ist also nicht dasselbe wie eine Patientenverfügung, die im Ernstfall trägt.
- Die Vorsorgevollmacht. Damit bestimmt Ihr Vater selbst, wer für ihn entscheidet, solange er noch entscheidungsfähig ist. Sie muss registriert werden, damit sie im Ernstfall auffindbar ist.
- Die Erwachsenenvertretung — gewählt, gesetzlich oder gerichtlich — greift, wenn keine Vorsorgevollmacht besteht. Wichtig: Auch eine Erwachsenenvertreterin entscheidet nicht nach eigenem Gutdünken, sondern hat sich am Willen der betroffenen Person zu orientieren.
Praktisch heißt das: Sorgen Sie dafür, dass die Patientenverfügung im Heim vorliegt, in der Pflegedokumentation vermerkt und im Register eingetragen ist. Eine Verfügung, die zu Hause im Ordner liegt, existiert um drei Uhr früh nicht.
Die sechs Fragen, die Sie vor der Aufnahme stellen sollten
- Können Bewohner bei Ihnen bis zuletzt bleiben, oder gibt es Situationen, in denen Sie grundsätzlich einweisen? Lassen Sie sich Beispiele nennen, keine Grundsätze.
- Arbeiten Sie mit einem mobilen Palliativteam oder einem Hospizteam zusammen — mit welchem, und wie schnell ist es da? In Österreich gibt es flächendeckend mobile Palliativteams und ehrenamtliche Hospizteams; ein Heim, das sie nicht kennt, nutzt sie auch nicht.
- Wer ist nachts und am Wochenende ärztlich erreichbar, und gibt es vorausschauende Bedarfsverordnungen? Das ist der eigentliche Hebel: Wenn Schmerz- und Atemnotmedikation vorab verordnet und im Haus vorrätig ist, muss niemand um zwei Uhr früh die Rettung rufen.
- Wie halten Sie den Willen des Bewohners fest, und wann sprechen Sie das an? Gute Häuser führen dieses Gespräch in den ersten Wochen, nicht in der letzten Woche.
- Dürfen Angehörige rund um die Uhr bleiben, auch über Nacht? Und gibt es dafür ein Bett, einen Sessel, einen Kaffee?
- Wie viele Ihrer Bewohner sind im letzten Jahr im Haus verstorben, wie viele im Krankenhaus? Auf diese Zahl bekommen Sie selten eine präzise Antwort — aber die Reaktion darauf sagt Ihnen sehr viel.
Was gute Betreuung am Lebensende konkret bedeutet
Nicht mehr Medizin, sondern die richtige. Konkret heißt das: Schmerzen und Atemnot werden behandelt, auch mit Opioiden, und zwar bevor sie eskalieren. Belastende Maßnahmen ohne Nutzen werden weggelassen — regelmäßige Blutabnahmen, Blutdruckmessungen im Halbstundentakt, Medikamente gegen Cholesterin bei einem Sterbenden. Der Mund wird feucht gehalten, weil Durstgefühl am Lebensende vor allem ein Mundtrockenheitsproblem ist.
Der schwierigste Punkt für Angehörige ist fast immer die Ernährung. Wenn ein Mensch am Lebensende aufhört zu essen und zu trinken, ist das Teil des Sterbeprozesses und nicht dessen Ursache. Eine Sonde verlängert bei fortgeschrittener Demenz das Leben in aller Regel nicht und verbessert es auch nicht — sie bringt Fixierungsrisiko, Aspiration und Unruhe mit sich. Sie dürfen diese Frage stellen und Sie dürfen sie verneinen: „Welches Ziel verfolgen wir mit dieser Maßnahme, und was ändert sie für ihn?"
Zwei Themen, die Sie ansprechen sollten, auch wenn sie unangenehm sind
Fragen Sie, wie das Haus mit dem Wunsch nach Therapiezieländerung umgeht — also mit der Entscheidung, von der Lebensverlängerung zur reinen Symptomlinderung überzugehen. Das ist keine Unterlassung von Behandlung, sondern eine medizinische Entscheidung, die dokumentiert und mit der vertretungsbefugten Person besprochen gehört.
Und klären Sie, welche Haltung das Haus zu Fragen der Sterbeverfügung hat, die in Österreich seit 2022 gesetzlich geregelt ist. Sie müssen dazu keine Position haben — aber Sie sollten wissen, wie das Heim damit umgeht, bevor die Frage im Raum steht.
Wenn das Haus nicht liefert
Wenn Ihr Vater bereits im Heim lebt und Sie merken, dass am Lebensende nichts vorbereitet ist: Verlangen Sie schriftlich ein Gespräch mit Pflegedienstleitung und Hausarzt, mit dem Ziel, vorausschauende Verordnungen und eine dokumentierte Willensfeststellung zu bekommen. Kommt nichts, ist die Heimaufsicht des Landes die zuständige Stelle, und die Bewohnervertretung ist Ihre Ansprechpartnerin bei allem, was Freiheitsbeschränkungen betrifft.
Wenn Sie noch am Anfang stehen
Falls Sie gerade erst suchen: Nehmen Sie die sechs Fragen oben zur ersten Besichtigung mit. Sie unterscheiden Häuser deutlicher als jede Broschüre.
Und wenn Sie die Suche nicht selbst führen wollen: Sagen Sie uns die Region, den Pflegebedarf und worauf es Ihnen am Lebensende ankommt — Sie bekommen eine Auswahl an Häusern, die einen Anruf wert sind, für €79. Erhalten Sie nicht mindestens 3 Häuser, die zu Gebiet und Kriterien passen, erstatten wir den vollen Betrag. Hier starten
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information für Angehörige und ersetzt keine Rechts- oder medizinische Beratung. Für eine verbindliche Patientenverfügung ist die vorgeschriebene ärztliche und rechtliche Aufklärung erforderlich. Curalune vergibt keine Heimplätze und garantiert keine Verfügbarkeit.