Sechs Wochen nach dem Einzug
Als sie einzog, ging Ihre Mutter allein auf die Toilette. Jetzt trägt sie Einlagen, und auf Nachfrage heißt es, das sei „bequemer für sie" oder „nachts sicherer". Mit Ihnen hat niemand darüber gesprochen, und mit ihr auch nicht.
Das ist eine der folgenreichsten Veränderungen im Heimalltag — und sehr oft überhaupt keine medizinische Entscheidung.
Kontinenz wird abgeklärt, nicht vorausgesetzt
Im Alter ist Inkontinenz ein Symptom mit Ursachen, von denen viele behandelbar sind, und keine automatische Folge des Alterns. Die Reihenfolge ist immer dieselbe: abklären, behandeln, was behandelbar ist, und erst danach Hilfsmittel.
Die Frage, die Sie schriftlich stellen, lautet daher nicht „warum Einlagen?", sondern: „Meine Mutter war beim Einzug kontinent. Welche Abklärung hat zu dieser Entscheidung geführt, durch wen und wann, und was ist geplant, um die Kontinenz wiederherzustellen?"
Und denken Sie an die freie Arztwahl: Der Arzt, der das Heim betreut, muss nicht ihr Arzt bleiben, wenn die Frage nicht ernst genommen wird.
Die Frage nach dem Geld
Inkontinenzprodukte sind bei entsprechender Indikation auf ärztliche Verordnung ein Hilfsmittel zulasten des Krankenversicherungsträgers; je nach Träger fällt ein Selbstbehalt an. Sie sind kein Verbrauchsartikel, den das Haus einkauft und Ihnen weiterverrechnet.
Wenn auf Ihrer Rechnung eine entsprechende Position auftaucht, fragen Sie schriftlich:
- „Liegt eine ärztliche Verordnung vor, und über welchen Träger läuft die Versorgung?"
- „Was genau verrechnen Sie zusätzlich, und warum reicht die verordnete Versorgung nicht?"
- „Sind die Hilfsmittel im Heimentgelt enthalten — wo steht das im Vertrag?" Heimverträge sind im Konsumentenschutzgesetz eigens geregelt: Entgelte und Zusatzleistungen gehören transparent ausgewiesen.
Und lassen Sie sich nicht sagen, das sei „aus dem Pflegegeld zu zahlen". Das Pflegegeld ist ein pauschalierter Beitrag zum Mehraufwand und ersetzt keine Hilfsmittelversorgung, die anderswo geregelt ist.
Was hätte geschehen müssen
- Behandelbare Ursachen ausschließen: Harnwegsinfekt, Verstopfung, Entwässerungstabletten und ihr Zeitpunkt, Schlafmittel — und sehr häufig schlicht der Weg zur Toilette, weil der Rollator zu weit weg steht oder auf die Rufanlage niemand reagiert.
- Ein Toilettengang-Plan in der Pflegeplanung, an ihrem Rhythmus ausgerichtet. Die wirksamste Maßnahme, und die am häufigsten übersprungene: Sie kostet Personalzeit, Einlagen nicht.
- Würde als Planungspunkt. Jemandem eine Einlage anzulegen, der die Toilette noch benutzen kann, ist nicht neutral.
Die zwei Ursachen, die meistens dahinterstecken
Die Rufanlage. Wer zweimal zwanzig Minuten wartet, klingelt nicht mehr und nässt stattdessen ein. Fragen Sie, ob Reaktionszeiten erfasst werden und wie sie nachts aussehen.
Der Nachtdienst. Einlagen in der Nacht sind oft eine Personallösung im medizinischen Gewand. Die Nachtdienstbesetzung ist landesrechtlich geregelt und wird von der Heimaufsicht geprüft — Sie fragen also nach der Erfüllung einer Vorgabe. Und dann die Frage, die beides unterscheidet: Wird sie zum Wechseln geweckt? Jemanden alle drei Stunden zu wecken, der begleitet zur Toilette gehen könnte, ist Dienstplan, nicht Pflege.
Wenn sie nass liegen bleibt
Das ist keine Organisationspanne. Bleibt Ihre Mutter regelmäßig nass liegen, weil „die Einlagen aus sind" oder niemand kommt, berührt das ihre Würde — und dann ist die Bewohnervertretung der richtige Weg: unabhängig, nicht Teil des Hauses, kostenlos erreichbar und ohne Vertretungsbefugnis Ihrerseits.
Was Sie jetzt verlangen
Lassen Sie in die Pflegeplanung aufnehmen: die Abklärung mit Datum und Namen; einen Toilettengang-Plan mit Uhrzeiten und Zuständigkeit; eine Überprüfung der Medikation mit Blick auf die Blase samt Einnahmezeitpunkt der Diuretika; Rollator und Rufanlage in Reichweite, freier Weg, Nachtlicht; und einen Termin zur Überprüfung, ob die Versorgung noch nötig ist.
Nicht akzeptieren: „Das ist bequemer für sie" ohne Eintrag im Protokoll, Einlagen ohne jede Toilettenbegleitung — die Kombination erzeugt Hautschäden, Harnwegsinfekte und Stürze —, und einen Katheter aus Bequemlichkeit, der eine dokumentierte Indikation braucht.
Wenn sich nichts ändert
- Schriftliche Bitte an die Pflegedienstleitung um ein Gespräch mit Termin.
- Der Hausarzt, für Ursachenabklärung und Verordnung; der Krankenversicherungsträger für die Frage der Kostenübernahme.
- Die Bewohnervertretung und der Heimbeirat.
- Die Heimaufsicht des Landes, wenn im Haus systematisch versorgt statt gefördert wird.
Das größere Signal
Ein Haus, das kontinente Bewohnerinnen mit Einlagen versorgt, sagt Ihnen damit, wie es Personalprobleme generell löst.
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Dieser Artikel ist eine allgemeine Information für Angehörige und ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Über die Hilfsmittelversorgung entscheidet der Krankenversicherungsträger im Einzelfall; klinische Entscheidungen treffen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Curalune vergibt keine Heimplätze und garantiert keine Verfügbarkeit.