Es ist kein Trotz und nicht gegen Sie gerichtet
Gegen 17 oder 18 Uhr kippt die Stimmung: Ihre Mutter wird unruhig, will nach Hause — obwohl sie zu Hause ist. Nachts zieht sich Ihr Vater an und geht aus der Wohnung. Das ist kein Trotz.
Steigt die Unruhe am späten Tag an, spricht man vom Sundowning; sucht die Person ziellos umher oder will hinaus, von Weglauftendenz. Beides ist bei Demenz häufig: Tagesmüdigkeit, schwindendes Licht, Hunger, Schmerz und verschwimmende Orientierung ergeben eine Mischung, die die Person nicht mehr bewältigen kann.
Suchen Sie zuerst nach einer körperlichen Ursache
Unruhe, die innerhalb von Tagen plötzlich auftritt, ist fast nie der normale Verlauf der Erkrankung. Die häufigsten behandelbaren Ursachen:
- ein Harnwegsinfekt — bei alten Menschen zeigt er sich oft nur als Verwirrtheit, ohne Fieber und ohne Schmerzen;
- Schmerzen, die nicht geäußert werden: Arthrose, Verstopfung, Zahn, beginnender Dekubitus;
- ein neues Medikament oder eine Wechselwirkung;
- Austrocknung, Schlafmangel, nicht korrigierte Seh- oder Hörschwäche.
Was im Alltag wirklich hilft
- Licht, bevor es dunkel wird. Die einbrechende Dunkelheit ist der häufigste Auslöser.
- Feste Routine: gleiche Zeiten, gleiche Abläufe, gleiche Gesichter.
- Kein später Mittagsschlaf, kein Kaffee nach dem Nachmittag.
- Streiten Sie nicht über die Realität. „Deine Mutter ist tot" erzeugt Verzweiflung; „wir gehen später, komm, setz dich" beruhigt. Auf das Gefühl eingehen statt die Tatsache korrigieren ist kein Lügen.
- Den Abend füllen: Wäsche falten, Tisch decken, ein Spaziergang vor dem Abendessen. Bewegung verbraucht die Unruhe.
- Sichern ohne einzuschließen: Riegel oben an der Tür, Bewegungsmelder, GPS-Uhr — und Nachbarn informieren. Viele Menschen wurden gefunden, weil jemand aus der Nachbarschaft Bescheid wusste.
Wann es zu Hause nicht mehr geht
Die Frage ist nicht „gebe ich sie auf", sondern: Kann ich die Sicherheit in der Nacht garantieren? Geht die Person hinaus, während alle schlafen, oder wurde sie schon einmal draußen gefunden, ist die ehrliche Antwort oft nein — und das ist kein Versagen.
Gesucht wird dann ein beschützender Bereich: geschlossen, aber mit Rundwegen zum Gehen, gesichertem Garten und geschultem Personal.
Fragen für die Besichtigung
- Ist der Bereich geschlossen, und können die Bewohner innen frei umhergehen und in einen gesicherten Garten?
- Wie viele Pflegekräfte in der Nacht, für wie viele Bewohner? Die wichtigste Zahl — und die, die am seltensten genannt wird.
- Was tun Sie, wenn jemand um drei Uhr nachts hinaus will? („Wir gehen mit" ist besser als „wir bringen ihn ins Bett zurück".)
- Wie halten Sie es mit Freiheitsbeschränkungen und Neuroleptika? In Österreich muss jede freiheitsbeschränkende Maßnahme nach dem Heimaufenthaltsgesetz angeordnet, dokumentiert und der Bewohnervertretung gemeldet werden — fragen Sie nach der Meldung.
- Wie gestalten Sie den Abend — Licht, Beschäftigung, Essenszeiten — für Bewohner mit abendlicher Unruhe?
Ein Heim mit einem freien Platz im beschützenden Bereich zu finden ist deutlich schwerer als ein normaler Platz — und genau das brauchen Familien nach Wochen ohne Schlaf. Curalune Hilfe (€79) stellt in der Regel innerhalb von 24 Stunden eine Auswahl von 3–5 passenden Heimen zusammen — mit beschützendem Bereich, wenn nötig.
Wichtiger Hinweis
Allgemeine Informationen, kein Ersatz für ärztlichen Rat. Jede neu auftretende oder plötzliche Unruhe sollte ärztlich abgeklärt werden.