Wenn sie aufhört zu sprechen
Es geht ihr nicht schlecht. Sie verlangt nur nichts mehr. Sie bleibt im Zimmer, der Fernseher läuft, ohne dass sie hinsieht, und auch Ihnen antwortet sie einsilbig. Wenn Sie es ansprechen, heißt es, sie habe sich „eingelebt" — oder das sei in ihrem Alter eben so.
Beides ist falsch. Depression gehört nicht zum Altern. Im Pflegeheim ist sie häufig, wird selten erkannt und ist behandelbar. Häufig heißt nicht normal — bei Schmerzen sagt das auch niemand.
Drei Dinge, die vorher auszuschließen sind
Rückzug sieht immer gleich aus, egal woher er kommt — und die falsche Reihenfolge führt direkt zum falschen Rezept. Lassen Sie diese drei zuerst prüfen:
- Unbehandelte Schmerzen. Die häufigste Ursache für Antriebslosigkeit im Alter, und bei Demenz wird sie nicht in Worten geäußert. Fragen Sie: „Wurde der Schmerz mit einem Beobachtungsinstrument erhoben, und wann?"
- Delir. Ein Rückzug, der über Tage statt über Wochen entstanden ist, mit schwankender Verwirrtheit, ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Delir: Harnwegsinfekt, Austrocknung, hartnäckige Verstopfung, neues Medikament. Das ist ein Notfall, kein Stimmungsthema.
- Hören, Sehen, Zähne. Ein Hörgerät ohne Batterie, defekt oder schlicht nicht eingesetzt, isoliert einen Menschen in wenigen Wochen vollständig. Dasselbe gilt für verschwundene Brillen und eine Prothese, die nicht mehr hält: Wer im Speisesaal nicht essen kann, zieht sich ins Zimmer zurück.
Der österreichische Punkt: das Beruhigungsmittel ist meldepflichtig
Hier liegt das Instrument, das kaum eine Familie kennt — und es ist stark. In Österreich ist eine Freiheitsbeschränkung nicht nur ein Gurt oder ein Bettgitter. Auch Medikamente, die gegeben werden, um den Bewegungsdrang einer Person zu unterdrücken, sind eine Freiheitsbeschränkung im Sinne des Heimaufenthaltsgesetzes.
Daraus folgt Konkretes:
- Eine solche Maßnahme muss der Bewohnervertretung gemeldet werden — einer unabhängigen Stelle, die nicht zum Heim gehört.
- Die Bewohnervertretung kann die Maßnahme gerichtlich überprüfen lassen. Das kostet Sie nichts.
- Die Maßnahme braucht eine ärztliche Begründung im Einzelfall, muss verhältnismäßig sein und ist zu befristen und zu überprüfen.
Fragen Sie deshalb schriftlich: „Wurde meiner Mutter ein sedierendes Medikament zur Dämpfung gegeben? Falls ja: Ist das als Freiheitsbeschränkung dokumentiert und der Bewohnervertretung gemeldet worden?" Allein diese Frage verändert die Antworten, die Sie bekommen.
Und der medizinische Kern dahinter: Ein Neuroleptikum ist keine Behandlung einer Depression. Wird eine Depression festgestellt, ist die Behandlung ein geeignetes Antidepressivum plus Aktivität, Beziehung, Bewegung, Tagesstruktur. Bei alten Menschen mit Demenz erhöhen Antipsychotika das Risiko für Stürze, Schlaganfälle und Sterblichkeit — die entsprechenden Wirkstoffe finden sich in den Listen der im Alter potenziell ungeeigneten Medikamente.
Was Sie sonst verlangen
- Eine fachärztliche Abklärung. Der Hausarzt kann eine gerontopsychiatrische oder psychiatrische Begutachtung veranlassen. Denken Sie an die freie Arztwahl: Der Arzt, der das Heim betreut, muss nicht ihr Arzt bleiben.
- Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung. Beides sind Leistungen, die über die Krankenversicherung zugänglich sind. Rechnen Sie damit, dass ein Platz bei einem Therapeuten mit Kassenvertrag knapp ist und dass bei einer Wahltherapeutin nur ein Teil rückerstattet wird — klären Sie das vorher.
- Die Betreuungsdokumentation. An welchen Aktivitäten hat sie im letzten Monat tatsächlich teilgenommen? Verlangen Sie den Nachweis, nicht den Eindruck. „Sie nimmt gern teil", im Flur gesagt, ist keine Angabe.
- Eine Überprüfung der gesamten Medikation. Benzodiazepine, manche Blutdrucksenker und anticholinerg wirkende Mittel drücken Stimmung und Wachheit.
Was Sie selbst tun können — und es wirkt
- Verlässliche Besuche schlagen lange Besuche. Zwanzig Minuten dreimal die Woche an denselben Tagen geben der Woche eine Struktur; drei Stunden am Sonntag nicht.
- Bringen Sie eine Aufgabe mit. Wäsche zusammenlegen, Fotos mit Namen auf der Rückseite ansehen, gemeinsam etwas vorbereiten. Wer noch eine Rolle hat, zieht sich weniger zurück.
- Holen Sie sie aus dem Zimmer, und sei es nur auf den Gang oder in den Garten. Licht und Bewegung wirken auf den Schlaf, der Schlaf auf die Stimmung.
- Fragen Sie nach dem Zimmer. Ein Zimmer weit weg von den Gemeinschaftsräumen isoliert. Ein Wechsel ist eine legitime schriftliche Bitte.
- Prüfen Sie das Hörgerät bei jedem Besuch. Batterie, eingeschaltet, tatsächlich getragen. Die wirksamste und meistvergessene Maßnahme überhaupt.
Wenn nichts geschieht
- Schriftliche Bitte an die Pflegedienstleitung um ein Gespräch mit Termin und um Aufnahme in die Pflegeplanung.
- Die Bewohnervertretung — bei allem, was nach medikamentöser Dämpfung oder Bewegungseinschränkung aussieht. Sie ist unabhängig, kostenlos und der wirksamste Hebel, den Sie in Österreich haben.
- Der Heimbeirat, wenn das ganze Haus betroffen ist.
- Die Heimaufsicht des Landes, wenn niemandem im Haus Zuwendung zuteilwird.
Wenn das Problem das Haus ist, nicht der Mensch
Es gibt einen Unterschied zwischen einem Haus, in dem Ihre Mutter traurig ist, und einem, in dem alle im Zimmer sitzen. Wenn der Aufenthaltsraum um vier Uhr nachmittags leer ist, wenn ein Fernseher vor zehn Menschen läuft, die nicht miteinander reden, wenn das Aktivitätsangebot ein Aushang ist statt einer dokumentierten Teilnahme — dann liegt es nicht an der Stimmung Ihrer Mutter.
Wenn Sie zu diesem Schluss gekommen sind und keine zweite Telefonrunde mehr in sich haben: Diesen Teil übernehmen wir. Sagen Sie uns Region, Pflegebedarf und was hier schiefgelaufen ist — Sie bekommen eine Auswahl an Häusern, die einen Anruf wert sind, für €79. Hier starten
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information für Angehörige und ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung. Diagnose und Therapie entscheiden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte; bei akuter Gefährdung wenden Sie sich unverzüglich an den Arzt oder den Notdienst. Curalune vergibt keine Heimplätze und garantiert keine Verfügbarkeit.