Der Anruf, der immer kommt
«Wir finden das Hörgerät nicht.» Oder den Zahnersatz. Oder den Ehering, den sie seit fünfzig Jahren trug.
Man wird Ihnen sagen, dass das vorkommt, dass gesucht wird, und man wird Ihnen eine Zeile im Heimvertrag zeigen, wonach für persönliche Gegenstände nicht gehaftet wird. Viele Familien hören dort auf, kaufen neu und sagen nichts mehr.
Zwei Dinge lohnt es zu wissen. Erstens: Ein Hörgerät kostet oft mehr als eine Woche Heimkosten, und neuer Zahnersatz bedeutet Wochen, in denen ein alter Mensch schlecht isst. Zweitens: Diese Zeile ist angreifbar.
Warum der Haftungsausschluss nicht trägt
Der Heimvertrag ist in Österreich ein besonders geregelter Verbrauchervertrag. Daraus folgt zweierlei:
- Die Haftung für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit lässt sich nicht wirksam ausschliessen. Eine Klausel, die das versucht, geht ins Leere.
- Pauschale Freizeichnungen in vorformulierten Verträgen sind angreifbar. Lassen Sie die konkrete Klausel von der Arbeiterkammer prüfen — unwirksame Bestimmungen in Heimverträgen sind dort gut bekannt, und die Prüfung ist kostenlos.
Das heisst nicht, dass das Haus für alles einsteht. Es heisst, dass «wir haften für nichts» keine vollständige Antwort ist — schon gar nicht, wenn die Sache während einer Leistung des Hauses verschwand: in der Wäscherei, bei der Körperpflege, beim Zimmerwechsel.
Die Versicherung, an die niemand denkt
Der Punkt, der am meisten Geld spart und fast immer übersehen wird: Das Zimmer im Heim ist versicherungstechnisch der neue Haushalt.
- Wird die Wohnung aufgelöst, endet damit in der Regel die bestehende Haushaltsversicherung. Wer sie einfach kündigt, steht ohne Schutz da — ab genau dem Moment, in dem das Risiko steigt.
- Melden Sie den Einzug der Versicherung und lassen Sie die Polizze auf das Zimmer anpassen, mit passender Versicherungssumme.
- Fragen Sie ausdrücklich nach Brille, Hörgerät und Zahnersatz und lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben.
Und bedenken Sie die Intervalle: Zuschüsse der Sozialversicherung zu Hörgeräten und Zahnersatz gibt es nur in bestimmten Zeitabständen. Ein Verlust im falschen Moment heisst, den Ersatz vollständig selbst zu tragen.
Das Taschengeld — und die Abrechnung, die Ihnen zusteht
Wird die Unterbringung von der Sozialhilfe des Bundeslandes mitfinanziert, gehen Pension und Pflegegeld weitgehend an den Kostenträger, und der Bewohnerin verbleibt ein Taschengeld zur persönlichen Verfügung. Häufig führt das Haus dafür ein Konto — Friseur, Kaffeehaus, Zeitung.
- Verlangen Sie eine regelmässige Abrechnung mit Einzelposten. Sie steht Ihnen zu.
- Prüfen Sie, dass das Taschengeld tatsächlich verfügbar ist und nicht stillschweigend gegen andere Posten verrechnet wird.
- Besteht eine Erwachsenenvertretung, gehören diese Beträge in die Rechnungslegung — führen Sie sie von Anfang an mit, nicht erst im Dezember.
- Kein Bargeld im Zimmer. Es ist die häufigste Quelle gegenseitiger Verdächtigungen zwischen Familien und Personal.
Die fünf Handgriffe am Einzugstag
- Eine unterschriebene Inventarliste: Kleidung, Brille, Hörgeräte, Zahnersatz, Uhr, Ehering, Geräte. Kopie mitnehmen.
- Fotos der wertvollen Stücke, mit Datum.
- Wertsachen gegen Bestätigung in Verwahrung geben. Unersetzliches bleibt besser zu Hause.
- Alles kennzeichnen, auch Alltagskleidung. Die gemeinsame Wäscherei ist der erste Ort, an dem Dinge verschwinden.
- Prothesen: nach dem Ablauf fragen. Wo werden sie nachts aufbewahrt, wer nimmt sie heraus und setzt sie ein, wie sind sie beschriftet.
Wenn schon etwas fehlt
- Schriftlich melden, am selben Tag: was fehlt, wann zuletzt gesehen, wer im Dienst war.
- Inventarliste und Verwahrungsbestätigung anfordern. Fehlen sie, spricht das für Sie.
- Schriftlich fragen, was zur Suche unternommen wurde — Wäscherei, Nachbarzimmer, Fundsachen.
- Ersatz verlangen, wenn der Verlust während einer Leistung des Hauses eintrat.
- Bei Diebstahlsverdacht Anzeige erstatten und die Heimleitung informieren.
Wenn nichts geschieht
Schreiben Sie der Heimleitung mit einer Frist. Danach: die Patienten- und Pflegeanwaltschaft Ihres Bundeslandes, die Heimaufsicht des Landes und die Arbeiterkammer für die Vertragsklausel. Alle drei kosten nichts.
Der praktische Punkt
Passen Sie die Haushaltsversicherung auf das Zimmer an, bevor die Wohnung aufgelöst wird — das ist der teuerste vermeidbare Fehler. Machen Sie die Inventarliste am Einzugstag, kennzeichnen Sie alles, fragen Sie nach dem Prothesen-Ablauf und verlangen Sie die Taschengeldabrechnung. Und melden Sie jeden Verlust schriftlich am selben Tag.
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Die Wirksamkeit von Haftungsklauseln in Heimverträgen, der Umfang der Haushaltsversicherung, die Zuschussintervalle der Sozialversicherung für Hilfsmittel sowie Höhe und Behandlung des Taschengeldes richten sich nach Bundes- und Landesrecht sowie dem einzelnen Vertrag und werden regelmäßig angepasst. Kostenlose Beratung bieten die Patienten- und Pflegeanwaltschaft des Landes, die Heimaufsicht und die Arbeiterkammer. Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt weder Rechtsberatung noch medizinische Hinweise. Curalune vergibt keine Heimplätze und garantiert keine Verfügbarkeit.