Das Problem, auf das niemand schaut
Sie geht weniger. Sie kommt seltener in den Speisesaal, hält sich an Möbeln fest, schlurft. Jemand nennt es Verschlechterung, jemand anderes Sturzangst.
Bevor Sie das übernehmen, tun Sie etwas, das fast kein Angehöriger tut: Schauen Sie sich ihre Füße an. Nicht im Hausschuh — Socken aus und hinsehen. Erstaunlich oft finden Sie monatelang nicht geschnittene, verdickte Nägel, eine eingewachsene Ecke, eine Schwiele, die bei jedem Schritt weh tut, und Hausschuhe in der falschen Größe.
Das ist keine Kosmetik. Fußschmerz verändert das Gangbild, das veränderte Gangbild kostet Gleichgewicht, und der Sturz ist das, was danach alles andere verändert. Füße sind eines der ganz wenigen ernsten Probleme im Alter, die sich in einer halben Stunde beheben lassen.
Zwei Dinge, die ständig verwechselt werden
Diese Unterscheidung entscheidet fast jedes Gespräch mit dem Heim.
Die einfache Fußpflege — Waschen, Abtrocknen zwischen den Zehen, Eincremen, das Schneiden eines normalen, gesunden Nagels — gehört zur Grundpflege und ist mit dem Heimentgelt abgegolten. Wenn Ihnen gesagt wird, Nägelschneiden sei nicht vorgesehen, lassen Sie sich zeigen, wo das steht.
Die podologische Behandlung ist etwas anderes: verdickte oder eingewachsene Nägel, Nagelpilz, Hühneraugen und Hornhaut, Fehlstellungen — und alles am diabetischen Fuß. Dass Pflegekräfte das nicht machen sollen, ist richtig.
Fragen Sie deshalb zweimal: Wer schneidet die normalen Nägel, wie oft — und wen rufen Sie, wenn die Nägel nicht mehr normal sind?
Wer das in Österreich bezahlt — und wofür das Pflegegeld gedacht ist
Die ehrliche Auskunft zuerst: Die klassische medizinische Fußpflege ist in Österreich in aller Regel keine Kassenleistung. Sie zahlen sie selbst. Bei einer krankhaften Veränderung — allen voran am diabetischen Fuß — kann eine ärztlich veranlasste Behandlung anders zu beurteilen sein; fragen Sie den Hausarzt danach ausdrücklich und lassen Sie sich die Möglichkeit einer Bewilligung durch den Versicherungsträger prüfen.
Und hier kommt der Punkt, den viele Familien nie verbinden: Genau dafür gibt es das Pflegegeld. Das Pflegegeld ist ein pauschalierter Beitrag zur Abdeckung pflegebedingter Mehraufwendungen — es ist zweckgebunden für Dinge wie diese, und es wird nicht gegen Belege abgerechnet, sondern steht zur Verfügung. Wenn ein Teil davon monatlich für regelmäßige Fußpflege verwendet wird, ist das genau die Verwendung, für die es geschaffen wurde.
Zwei weitere Wege, nach denen selten jemand fragt: Viele Bundesländer und Sozialabteilungen haben Zuschüsse und Unterstützungsfonds, und in manchen Regionen bieten Sozialdienste günstige Fußpflege für ältere Menschen an. Und sehr viele Fußpflegerinnen und Podologinnen kommen ins Haus — der Engpass ist die Organisation, nicht die Verfügbarkeit.
Diabetes verändert den ganzen Text
Am diabetischen Fuß ist das Gefühl vermindert: Eine kleine Verletzung tut nicht weh, wird nicht bemerkt, infiziert sich — und die Kette von dort kennt jeder. Drei Dinge, die Sie verlangen sollten:
- Tägliche Inspektion der Füße als Teil der Pflege, dokumentiert, nicht auf Zuruf.
- Kein improvisiertes Nagelschneiden und keine Hühneraugenpflaster aus der Drogerie.
- Ein klarer Weg für Rötung, Blase oder offene Stelle — hier ist der Unterschied zwischen heute und nächster Woche die ganze Prognose.
Die Hausschuhe, die niemand kontrolliert
Der am meisten übersehene Punkt. Viele Bewohnerinnen verbringen den Tag in Hausschuhen, die vor Jahren gekauft wurden, ausgetreten, ohne Verschluss — oder gehen in Socken über einen glatten Boden. Schuhwerk ist ein belegter Sturzfaktor: ein geschlossener, fest sitzender Schuh mit rutschfester Sohle und flachem Absatz ist sicherer als der weiche Hausschuh.
Füße verändern sich mit dem Alter und mit Ödemen: Die Größe von vor zehn Jahren ist nicht mehr ihre Größe. Trägt sie Einlagen, fragen Sie, wann diese zuletzt überprüft wurden.
Der Zusammenhang mit Stürzen
Ist sie gestürzt und hat niemand danach Füße und Schuhwerk angesehen, ist die Sturzanalyse unvollständig. Das schriftlich anzumerken ist konkret und schwer wegzuwischen.
Sechs Fragen, die Sie stellen sollten
- Wer schneidet ihre Nägel, wie oft, und ist das im Entgelt enthalten?
- Kommt eine Fußpflegerin oder Podologin ins Haus, und was kostet ein Termin?
- Bei Diabetes: Hat der Hausarzt eine Behandlung veranlasst, und wurde eine Bewilligung geprüft?
- Werden ihre Füße täglich inspiziert, und wie ist der Weg bei einer offenen Stelle?
- Passen ihre Schuhe, schließen sie, und wann wurden sie zuletzt ersetzt?
- Wurden nach dem letzten Sturz Füße und Schuhwerk beurteilt?
Wenn nichts passiert
Schriftlich an die Heimleitung, mit der Unterscheidung zwischen Grundpflege und podologischer Behandlung ausdrücklich benannt — beim ersten Punkt hat das Haus kein Argument. Bleibt es dabei, sind die Heimaufsicht des Bundeslandes und die Patienten- und Pflegeanwaltschaft die Adressen; für Zuschüsse die Sozialabteilung des Landes. Wird bei einer Bewohnerin mit Diabetes niemand auf die Füße schauen, ist das kein Komfortthema, sondern ein Pflegequalitätsthema.
Womit Sie anfangen
Beim nächsten Besuch eine einzige Sache: Socken ausziehen und hinsehen. Wenn die Nägel vorn am Hausschuh anstoßen oder unter dem Fußballen eine gerötete Schwiele sitzt, haben Sie den Grund gefunden, warum sie weniger geht — und es ist kein unabwendbarer Abbau.
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Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung im Einzelfall. Bei Diabetes schneiden Sie keine Nägel und behandeln Sie keine Hornhaut selbst und verwenden Sie keine Hühneraugenmittel — fragen Sie den Arzt. Leistungen, Zuschüsse und Bewilligungen unterscheiden sich je nach Versicherungsträger und Bundesland: Fragen Sie den aktuellen Stand nach. Curalune vergibt keine Heimplätze und garantiert keine Verfügbarkeit.