Der Satz, der aufhorchen lassen sollte
Sie besuchen sie, und sie sagt: „Ich kenne keinen von denen." Sie denken nach und merken, dass es auch für Sie gilt: In zwei Monaten sechs oder sieben verschiedene Pflegekräfte, und keine schien zu wissen, dass Ihre Mutter den Tee ohne Zucker trinkt, dass sie erschrickt, wenn man von links kommt, dass sie dreissig Jahre Lehrerin war.
Das klingt nach einer Frage der Menschlichkeit. Es ist eine klinische Frage — und wahrscheinlich die Zahl, die die Qualität von allem anderen am besten vorhersagt.
Warum Kontinuität mehr zählt als fast alles
Nehmen Sie irgendetwas, das im Heim schiefgehen kann — ein Sturz, ein beginnendes Druckgeschwür, ein Delir, ein nicht geäusserter Schmerz, ein Gewichtsverlust, ein Hörgerät, das nicht mehr funktioniert. Alles hat eines gemeinsam: Es funktioniert nur, wenn jemand eine Veränderung bemerkt.
Und eine Veränderung zu bemerken setzt voraus zu wissen, wie es vorher war. Eine Pflegekraft im ersten Dienst auf dieser Station hat keinen Vergleich: Sie sieht eine verwirrte alte Dame und dokumentiert eine verwirrte alte Dame. Wer sie seit acht Monaten kennt, sieht, dass heute Morgen etwas anders ist als gestern, und sagt es. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem am ersten Tag erkannten Infekt und einer drei Tage später entdeckten Lungenentzündung.
Die österreichische Zahl: der Personalschlüssel des Landes
Hier gilt, was in Österreich fast überall gilt: Das Heimrecht ist Landessache. Der Personalschlüssel — wie viele Betreuungs- und Pflegekräfte auf wie viele Bewohnerinnen, aufgeschlüsselt nach Qualifikation — steht in der Heimverordnung Ihres Bundeslandes, und er ist von Land zu Land unterschiedlich. Ein Vergleich zwischen einem Haus in Vorarlberg und einem in der Steiermark läuft deshalb ins Leere, wenn man die jeweilige Vorgabe nicht kennt.
Fragen Sie zwei Dinge zusammen:
- „Welcher Personalschlüssel gilt für dieses Haus nach der Landesverordnung, nach Qualifikation aufgeschlüsselt?"
- „Und wie viele dieser Stellen sind derzeit tatsächlich besetzt — welche sind seit wann offen?"
Die zweite Frage ist die entscheidende und die, die niemand von selbst beantwortet. Ein Haus kann die Vorgabe rechnerisch erfüllen und trotzdem seit einem halben Jahr offene Stellen mit Überstunden und Leasingpersonal überbrücken. Auf dem Papier ändert sich nichts, im Alltag alles.
Fragen Sie ausserdem nach der Besetzung auf dieser Station, nicht im ganzen Haus. Durchschnitte über alle Bereiche verstecken genau den Bereich, in dem Ihre Mutter lebt.
Die zwei anderen Fragen, die niemand stellt
Die Fluktuation. „Wie viele der Pflegekräfte, die vor einem Jahr hier gearbeitet haben, arbeiten heute noch hier?" Es gibt keine magische Schwelle, aber der Unterschied zwischen einem Haus, das mit einer Zahl antwortet, und einem, das sagt „Sie wissen ja, die Branche", ist die gesamte Information, die Sie brauchen.
Das Leasingpersonal. „Wie viele Dienste im Monat werden über Personalleasing besetzt?" Das ist weder feindselig noch ein Urteil über Menschen: Wer über eine Agentur kommt, macht dieselbe Arbeit mit derselben Qualifikation. Aber er kommt auf eine Station, die er nicht kennt, zu Bewohnerinnen, deren Geschichte er nicht hat, und geht wieder. Genau die Kontinuität fehlt.
Die Bezugsperson
Auch in einem Haus mit hoher Fluktuation gibt es etwas Konkretes zu verlangen: Wer ist die Bezugsperson Ihrer Mutter, namentlich? Nicht „das Team", nicht „die Station": eine Person, die sie kennt, die an der Pflegeplanung mitwirkt und mit der Sie sprechen können. Gibt es keine, verlangen Sie, dass eine benannt und in der Pflegedokumentation festgehalten wird. Das kostet keine zusätzliche Stelle und verändert die Qualität der Informationen, die Sie bekommen, grundlegend.
Was man bei einem Besuch sieht, ohne zu fragen
- Wird sie mit Namen angesprochen? Und mit welchem — dem, den sie benutzt, oder „Omi"?
- Weiss man etwas über sie? Fragen Sie, wer gerade Dienst hat, was Ihre Mutter beruflich gemacht hat. Weiss das nach sechs Monaten niemand, wird die Biografiearbeit nicht gelesen — oder es gibt sie nicht.
- Wo findet die Übergabe statt? Zwei Minuten im Gang oder strukturiert?
- Wie viele verschiedene Personen versorgen sie in einer Woche? Wenn Sie oft kommen, notieren Sie es zwei Wochen lang — dann haben Sie die Zahl selbst.
Sechs Fragen, die Sie stellen sollten
- Welcher Personalschlüssel gilt hier nach der Landesverordnung, nach Qualifikation?
- Wie viele Stellen sind offen, und seit wann — auf dieser Station?
- Wie viele Pflegekräfte von vor einem Jahr sind noch hier?
- Wie viele Dienste im Monat laufen über Leasingpersonal?
- Wer ist die Bezugsperson meiner Mutter, namentlich?
- Wie werden Informationen über sie beim Personalwechsel weitergegeben?
Wenn keine Antworten kommen
Schriftlich an die Heimleitung, mit den ersten beiden Fragen zusammen: Auf dieses Paar lässt sich schwer vage antworten. Bleibt es dabei, ist die Heimaufsicht des Bundeslandes zuständig — sie ist es, die die Einhaltung des Personalschlüssels prüft — und die Patienten- und Pflegeanwaltschaft Ihres Bundeslandes berät kostenlos. Der Heimbeirat ist der richtige Ort für die Frage, denn sie betrifft nie nur eine Familie.
Womit Sie anfangen
Wenn Sie noch suchen, stellen Sie die ersten beiden Fragen bei der Besichtigung und beobachten Sie die Reaktion. Dieses Fragenpaar trennt in zwei Minuten die Häuser, die sich messen, von denen, die improvisieren.
Wenn Sie das nicht allein führen möchten, übernehmen wir es. Für €79 nehmen wir die Situation Ihrer Mutter auf, suchen in Ihrer Region die Häuser, die auf diese Fragen tatsächlich antworten, und melden Ihnen zurück, was gesagt wurde — mit Namen und Daten. Hier beginnen
Dieser Beitrag dient der Information. Personalschlüssel und Heimrecht sind Landessache und unterscheiden sich zwischen den Bundesländern: Fragen Sie den aktuellen Stand bei der Heimaufsicht Ihres Landes nach. Curalune vergibt keine Heimplätze und garantiert keine Verfügbarkeit.