Der Monat, in dem alles zusammenfällt
Hitzewellen kommen dann, wenn das Haus am dünnsten besetzt ist: Urlaubszeit, Aushilfen, die die Bewohnerinnen nicht kennen, der Hausarzt in der Sommerpause, die Angehörigen verreist. Genau dann bräuchte eine achtundachtzigjährige Frau, die ein Entwässerungsmittel nimmt und kein Durstgefühl mehr hat, dreimal am Tag jemanden, der nach ihr sieht.
Dieser Text soll Ihnen keine Angst machen, sondern sechs Fragen geben, die Sie jetzt stellen. Wenn die Warnung da ist, ist es zum Organisieren zu spät.
Ein Plan des Bundes, ein Heimrecht der Länder
Österreich hat in den vergangenen Jahren einen nationalen Hitzeschutzplan aufgebaut, mit eigenen Empfehlungen für Alten- und Pflegeheime. Das ist mehr, als viele Nachbarländer haben — und gleichzeitig ist es genau hier wichtig, den Aufbau des österreichischen Systems zu kennen: Heimrecht ist Landessache. Was in Vorarlberg für ein Pflegeheim vorgeschrieben ist, gilt nicht deshalb auch in der Steiermark.
Für Sie heißt das: Der Bundesplan sagt, was gute Praxis ist. Ob und wie er in dem Haus Ihrer Mutter umgesetzt wird, hängt vom Land, vom Träger und am Ende von der Leitung ab. Also nicht fragen "haben Sie einen Hitzeplan" — darauf sagt jedes Haus ja. Sondern: Gibt es ihn schriftlich, ab welcher Warnstufe greift er, was ändert sich konkret, und wer löst ihn aus, wenn die Pflegedienstleitung auf Urlaub ist?
Die Warnungen sind öffentlich und kleinräumig
Hitzewarnungen werden regional herausgegeben und sind öffentlich abrufbar — für den Bezirk, in dem das Heim liegt, nicht für den, in dem Sie wohnen. Fragen Sie das Haus, woher es seine Warnungen bezieht und wer sie im Sommer täglich ansieht. Ein Haus, in dem niemand benennen kann, wer morgens die Warnlage prüft, hat kein System, sondern Glück.
Klimatisierung: fragen Sie zimmerweise
Die baulichen Anforderungen stehen in den Heimverordnungen der Länder, und eine Klimatisierung sämtlicher Bewohnerzimmer verlangt praktisch keine. Viele Häuser haben gekühlte Gemeinschaftsräume und ungekühlte Zimmer, oder eine Anlage, die unten trägt und im Dachgeschoss nicht.
Die Frage lautet daher: Ist das Zimmer meiner Mutter gekühlt, und welche Temperatur wird gehalten? Wenn nicht: In welchen Raum wird sie in den Mittagsstunden gebracht, wie viele Plätze gibt es dort, und wie viele Stunden am Tag ist sie tatsächlich dort? Ein kühler Aufenthaltsraum mit zwanzig Plätzen in einem Haus mit achtzig Bewohnerinnen ist keine Antwort, sondern ein Rotationsproblem, das jemand schriftlich gelöst haben muss.
Fragen Sie auch nach der Nacht. Ein Südzimmer ohne Beschattung, das um Mitternacht dreißig Grad hat, kostet den Schlaf — und bei Demenz ist schlechter Schlaf der erste umfallende Stein.
Die Medikamente, die niemand überprüft
Der am meisten übersehene und am leichtesten zu behebende Punkt. Mehrere in Pflegeheimen sehr häufige Wirkstoffgruppen erhöhen das Risiko bei Hitze: Diuretika, die die Austrocknung verstärken; Neuroleptika und weitere Psychopharmaka, die die Temperaturregulation stören; Anticholinergika, die das Schwitzen vermindern; manche Blutdrucksenker, die zusammen mit der hitzebedingten Gefäßweitstellung den Druck abstürzen lassen, mit Stürzen als Folge.
Das heißt nicht, dass sie abgesetzt gehören — eigenmächtiges Absetzen ist gefährlich und keine Entscheidung der Familie. Es heißt, dass der Hausarzt die Medikation überprüfen soll, sobald eine Hitzewarnung vorliegt. Fragen Sie ausdrücklich: Wurde ihre Medikation wegen der Hitze überprüft, und von wem? Meist lautet die ehrliche Antwort nein, und die Frage allein genügt, damit es geschieht. Was verabreicht wurde, lässt sich im e-Impfpass nicht nachsehen — die Medikation aber sehr wohl über die e-Medikation in ELGA, wenn Sie Zugriff eingerichtet haben.
Was sich an einem Hitzetag ändern muss
- Überwachte Flüssigkeitszufuhr mit Trinkprotokoll — nicht eine Karaffe auf dem Nachtkästchen einer Frau, die sie nicht heben kann, sondern dokumentiert, was tatsächlich getrunken wurde. Bei Schluckstörungen angedickte Getränke in ausreichender Menge.
- Häufigere Temperaturkontrolle bei Risikobewohnerinnen.
- Gewicht kontrolliert — ein rascher Verlust an wenigen Sommertagen ist Austrocknung, bis das Gegenteil bewiesen ist.
- Aktivitäten verlegt statt gestrichen.
- Kleidung und Bettwäsche angepasst.
- Niedrigere Schwelle für den Arztruf, mit schriftlichen Kriterien: neue Verwirrtheit, ungewöhnliche Schläfrigkeit, wenig Harn, trockene Haut. Außerhalb der Ordinationszeiten gibt es 1450, im Notfall 144.
Hitzschlag sieht nicht aus wie "ihr ist warm"
Bei alten Menschen zeigt er sich als plötzliche Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Schwäche, teils heiße trockene Haut ohne Schwitzen. Das ist kein "bisschen matt wegen der Wärme", sondern ein Notfall — 144.
Ein Hinweis, der oft übersehen wird
Wenn in der Hitze plötzlich beruhigende Medikamente gegeben werden, weil eine Bewohnerin unruhig wird, ist das nicht automatisch eine medizinische Maßnahme. Dient ein Mittel der Ruhigstellung und schränkt es die Bewegungsfreiheit ein, ist es nach dem Heimaufenthaltsgesetz eine Freiheitsbeschränkung — anzuordnen, zu dokumentieren und der Bewohnervertretung zu melden. Unruhe in einer heißen Nacht ist häufig ein Zeichen von Durst, Schmerz oder Überhitzung. Fragen Sie nach der Ursache, bevor Sie ein neues Präparat akzeptieren.
Sechs Fragen für den Juli
- Gibt es einen schriftlichen Hitzeplan, ab welcher Warnstufe greift er, und wer löst ihn im Urlaub aus?
- Woher beziehen Sie die Hitzewarnungen, und wer sieht sie täglich an?
- Ist ihr Zimmer gekühlt? Wenn nicht: wohin, wie lange, wie viele Plätze?
- Führen Sie ein Trinkprotokoll, und wer wertet es aus?
- Wurde ihre Medikation wegen der Hitze überprüft, und von wem?
- Wie ist die tatsächliche Besetzung im August im Vergleich zum März?
Wenn nichts kommt
Schriftlich an die Heimleitung, eine Frage, ein Datum. Bleibt es dabei, stehen Ihnen drei Stellen offen: die Heimaufsicht des Bundeslandes, die Bewohnervertretung für alles rund um Freiheitsbeschränkungen, und die Patienten- und Pflegeanwaltschaft Ihres Bundeslandes, die kostenlos berät und vermittelt.
Womit Sie anfangen
Ist Ihre Mutter schon im Heim, schicken Sie diese sechs Fragen heute schriftlich, nicht Ende August. Eine schriftliche Anfrage im Juli bekommt Antworten; dieselbe Anfrage nach einem Vorfall bekommt Rechtfertigungen.
Suchen Sie noch, besichtigen Sie gerade im richtigen Monat: Gehen Sie um drei Uhr nachmittags in den Aufenthaltsraum und sehen Sie selbst.
Wenn Sie das nicht allein führen möchten, übernehmen wir es. Für €79 nehmen wir die Situation Ihrer Mutter auf, suchen in Ihrer Region die Häuser, die auf diese Fragen tatsächlich antworten, und melden Ihnen zurück, was gesagt wurde — mit Namen und Daten. Hier beginnen
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung im Einzelfall. Kein Medikament darf ohne den behandelnden Arzt abgesetzt oder verändert werden. Heimrecht und bauliche Vorgaben sind Landessache und unterscheiden sich zwischen den Bundesländern: Prüfen Sie mit dem Haus und der Heimaufsicht Ihres Landes. Curalune vergibt keine Heimplätze und garantiert keine Verfügbarkeit.