Der Anruf kommt selten gelegen
Man hat sich in mehreren Häusern vormerken lassen und dann monatelang nichts gehört. Und plötzlich klingelt an einem gewöhnlichen Dienstag das Telefon: Ein Zimmer ist frei geworden, man bräuchte heute eine Antwort.
Die meisten Familien erstarren an dieser Stelle, und meist aus zwei Gründen: Sie fürchten um das Vermögen, und sie halten die Zusage für unumkehrbar. In Österreich trifft beides nicht zu — und das zu wissen verändert die ganze Rechnung.
Zwei Dinge, die dem Druck fast alles nehmen
- Der Pflegeregress ist abgeschafft. Auf das Vermögen der Bewohnerin oder des Bewohners — Ersparnisse, das Haus — wird für die Kosten der stationären Pflege nicht mehr zugegriffen, und auch die Kinder werden dafür nicht herangezogen. Die Angst, die Familie müsse « alles hergeben », ist der häufigste Grund, aus dem Familien zögern, und sie beruht auf einer überholten Rechtslage.
- Der Bewohner kann den Vertrag leicht beenden. Das Heimvertragsgesetz lässt eine Kündigung durch die Bewohnerin mit kurzer Frist zu, während die Einrichtung nur aus bestimmten Gründen und mit deutlich längerer Frist kündigen kann. Wer nach vier Wochen merkt, dass das Haus nicht passt, sitzt nicht fest.
Sie entscheiden also nicht über die nächsten zehn Jahre und nicht über das Erbe, sondern über die nächsten Wochen. Prüfen Sie die konkreten Fristen im Vertrag, bevor Sie unterschreiben — aber gehen Sie nicht von einer Endgültigkeit aus, die es nicht gibt.
Was Sie trotzdem klären müssen
- Was zahlen wir monatlich? In der Regel fliesst ein Grossteil der Pension und des Pflegegeldes in die Kosten, ein Taschengeld bleibt, und den Rest übernimmt das Land — aber die Höhe und die Details unterscheiden sich je nach Bundesland. Lassen Sie sich die Rechnung für Ihren Fall aufschlüsseln.
- Ist das Pflegegeld eingestuft, und entspricht die Stufe dem tatsächlichen Bedarf? Bei einer Verschlechterung lohnt ein Antrag auf Höherstufung, und den stellt niemand von selbst.
- Ist die Kostenübernahme des Landes beantragt und geklärt? Das ist der Punkt, an dem Einzüge in Österreich am häufigsten hängen bleiben.
- Bis zu welchem Pflegebedarf kann das Haus betreuen, und gibt es einen beschützenden Bereich, falls eine Demenz fortschreitet?
- Welche Leistungen sind extra? Friseur, Fusspflege, Begleitung zu Arztterminen, bestimmte Pflegehilfsmittel.
Kann man vorher hinfahren?
Fast immer ja, und fast niemand fragt danach. Auch bei einer 24-Stunden-Frist ist ein kurzer Besuch am selben Tag oft möglich, wenn man ausdrücklich darum bittet. Zwanzig Minuten vor Ort sagen mehr als jeder Prospekt.
Worauf achten, in dieser Reihenfolge: Sind die Bewohner aufgestanden, angezogen, in den Gemeinschaftsräumen — oder liegen um zehn Uhr vormittags alle im Bett? Wie spricht das Personal mit ihnen: mit ihnen oder über sie hinweg? Und der Geruch, das ehrlichste Signal zur tatsächlichen Pflege, das sich für einen Besuch nicht herrichten lässt. Lassen Sie sich das angebotene Zimmer zeigen, nicht das Musterzimmer.
Wann Zusagen trotzdem falsch ist
- Wenn das Haus den tatsächlichen Pflegebedarf nicht abdecken kann — kein beschützender Bereich bei Weglauftendenz, keine Kompetenz für die nötige Behandlungspflege. Dann steht dasselbe Problem in wenigen Monaten wieder da, mit einem inzwischen schwächeren Menschen und einem weiteren Umzug.
- Wenn die Kostenübernahme ungeklärt ist. Das lässt sich vor dem Einzug in Ruhe regeln; danach wird es zu einer Auseinandersetzung, während jemand bereits im Haus wohnt.
Ein Umzug bleibt für einen alten Menschen anstrengend, auch wenn er vertraglich einfach ist. Das Kündigungsrecht ist ein Sicherheitsnetz, kein Freibrief.
Wenn Sie absagen
- Schriftlich, mit Begründung. « Pflegebedarf nicht abgedeckt » wiegt anders als eine Absage ohne Erklärung — und die meisten Häuser führen die Vormerkung dann weiter.
- Bestätigen lassen, dass die Vormerkung aktiv bleibt.
- Unterlagen aktualisieren, wenn sich der Zustand verschlechtert hat.
- Mehr Häuser anschreiben. Es gibt keine bundesweite Warteliste — die Vormerkung läuft über die Einrichtungen und je nach Bundesland über eine Landesstelle. Wer sich bei drei Häusern vormerken lässt, wartet; wer sich bei zwölf vormerkt, bekommt Angebote.
Der praktische Punkt
Diese Entscheidung fällt schlecht unter Druck und gut, wenn man einen Vergleichsmassstab hat. Wer zwei oder drei weitere passende Häuser in der Hand hält, antwortet in zehn Minuten. Wer nichts dahinter hat, sagt aus Angst zu — meist aus Angst vor etwas, das seit der Abschaffung des Pflegeregresses gar nicht mehr droht.
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Kündigungsfristen und -rechte ergeben sich aus dem Heimvertragsgesetz und aus Ihrem konkreten Heimvertrag; die Berechnung des Eigenbeitrags aus Pension und Pflegegeld, die Höhe des Taschengeldes, die Kostenübernahme durch das Land und das Vormerkverfahren unterscheiden sich je nach Bundesland und werden regelmässig angepasst. Klären Sie Ihren Fall mit der Sozial- und Pflegeberatung Ihres Bundeslandes und prüfen Sie den Vertrag vor der Unterschrift. Dieser Artikel ist allgemeine Information und ersetzt weder Rechtsberatung noch medizinische Hinweise. Curalune vergibt keine Heimplätze und garantiert keine Verfügbarkeit.